Taverne Aderl Laufenburg (CH)

Das reyselustige Voelkchen des Mittelalterstammtisch Hochrheyn e.V. packte am 01. Tag des Heuert AD MMXVI erneut seyne sieben Sachen. Dieses Mal galt es eyne Reyse in die Kurpfalz anzutreten.
Feyerte doch Villa Breteheym zum 512. Mal  die erfolgreyche Verteydigung ihrer Stadt  gegen die Belagerung durch Ulrich von Wuerttemberg mit 30.000 Mann im Jahre 1504.

Und so beluden wir unsere stinkenden Kutschen bis unter das Dach und traten zur 3. und eyner halben Stund im Meridianus die Reyse an. Diese fuehrte uns ueber stark befahrene gut ausgebaute Wege bis in die Kurpfalz. Die Reyse ward beschwerlich, da sich unendliche viele Kutschen auf der Reyse befanden. Sehr viele Kutschen mit Unmengen von Handelswaren bahnten sich ihre Wege gen Norden.

Kurz vor der 7. Stund im Meridianus erreychten wir das bereyts im Jahre 769 in der Schenkungsurkunde des Klosters Lorsch erstmals erwaehnte Dorf Helmsheym, wo wir unsere Kemenaten bezogen. Es ward der eynzige Ort in unmittelbarer Naehe zu Villa Breteheym, der noch mit eyner Beherbungsmoeglichkeyt dienen konnte.

Die Herberge ward eynfach aber sauber. Nachteyl: die Kemenaten waren im obersten Stock und wir mussten stets viele Stiegen hinaufsteygen, bis wir unser Haupt niederlegen durften. Zur fruehmorgendlichen Speysung mussten wiederum viele Stiegen hinunter ins Erdgeschoss zurueckgelegt werden. Daher mangelte es uns an koerperlicher Ertuechtigung nicht.

Da wir eynen arbeytsreychen Tag und eyne ermuedende Reyse hinter uns hatten beschlossen wir, den Abend in eyner Taverne im Ort zu verbringen und Villa Breteheym erst am naechsten Tag aufzusuchen.
Eyn folgenschwerer Entschluss. Ward es doch gar nicht so eynfach, in diesem voellig verwinkelten 2.000 Seelen Dorf eyne geeygnete Taverne zu finden.

Ganz am Rande des Ortes, dort wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen, inmitten von Weizenfeldern fanden wir eyne Taverne.
Man sah sogleych, dass es wohl die eynzig gute Taverne im Ort zu seyn schien, denn sie war proppevoll.

Wir meldeten uns bey der Schankmayd an und wurden danach in eyne Wartezone gebeten um dort erst eynmal eyn Getraenk zu sich zu nehmen, bis sich Platz auftat. Man sicherte uns eyne Platzzteylung zu.
Das waere alles wunderbar gewesen, wenn die Schankmayd auch den Ueberblick behalten haette. Voellig ueberfordert und planlos war ihr Verhalten.

Auf unsere georderten Getraenke mussten wir nahezu eyne halbe Stunde warten. Gaeste die nach uns kamen, wurden Tischen zugewiesen. Bestellungen wurden dort aufgenommen, Essen ausgegeben etc.  

Und nachdem wir nach eyner und eyner halben Stund noch immer keyne Platzzuteylung hatten, aber sie unendlich viele Male an unserem Tisch vorbeyhuschte, erlaubten wir uns nachzufragen. Da wurde uns gesagt, dass drey leere Tische seyt laengerem zur Verfuegung stuenden und wir uns umsetzen koennten. KLASSE.
Danach folgte die Aufnahme der Essensbestellung. Obwohl die Belegung der Taverne deutlich abgenommen hatte, dauerte es noch eynmal rund 30 Minuten, bis das Essen auf dem Tisch stand.
Summasumarum hatten wir nun zwey und eyne halbe Stunde darauf gewartet eyne Speysung zu erhalten. Diese Taverne mit der voellig planlosen und ueberforderten Schankmayd kann man wirklich niemandem empfehlen. In der heutigen Zeyt sagt man, eyn absolutes „No go!“.

Nach eynem zwangslaeufigen Verdauungsspaziergang, wir mussten ja wieder in den Ort zurueck, legten wir unsere Haeupter muede darnieder.

Am Satertage den 02. Tag im Heuert nahmen wir eyn gut buergerliches Fruehstueck eyn, machten noch eynen morgendlichen Erkundungsgang bis zur Haltestelle des eysernen Rosses, um die Abfahrtszeyten festzustellen und stiegen letztlich in unsere Gewaender.

Der Himmel ward grau und es regnete leycht. Das eyserne Ross brachte uns in nur neun Minuten von Helsheym nach Villa Breteheym. Und was uns dort zwey Tage lang erwartete, entschaedigte uns fuer das Ungemach des Ankunftstages voll und ganz.
Die Wolken hatten sich verzogen und die Sonne setzte sich durch!

Durch eynes der aufgebauten mittelalterlichen Stadttore betraten wir die Innenstadt. Der Wegezoll fuer beyde Tage ward moderat und dafuer wurde sehr viel geboten.

Das Peter-und-Paul-Fest ist jeweyls in vier Teyle gegliedert:

Tag 1: Villa Breteheym – ruestet sich
(Festeroeffnung, Ratssitzung, Feindes Brief, Musterung)

Tag 2: Villa Bretehym – wehrt sich
(Der Ausfall 1504, Schäfersprung, Huldigung, Zapfenstreich und Feuerwerk)

Tag 3: Villa Breteheym – huldigt dem Kurprinzen;
(Großer Festzug, Feiern in allen Lagern)

Tag 4: Villa Breteheym  -feyert     
(Schwartenmagenumzug, Kinderfest vom Knappen zum Ritter)

In der kompletten Innenstadt sind in allen moeglichen frey zugaenglichen Innenhoefen und Plaetzen, Kirchinnenhof und -platz usw. Heer-, Handwerker- und Bauernlager eyngerichtet.
Jedweder Handel, allerley Handwerk, Tavernen und Garkuechen an allen moeglichen Ecken und Enden. Eyne wahre Pracht. Die meysten der Tavernen sind mit Tischen und Baenken ausgestattet, die nach historischem Vorbild gebaut wurden. Eynfach nur toll, was hier geboten wird.

Es ist wahrlich nicht moeglich, alle diese wunderbaren Dinge an nur eynem Tag erkunden und erleben zu koennen. Man ward sprachlos ueber das was geboten wird.

Unendlich viele freundliche Menschen, Frohsinn an allen Ecken. Erbauliche Gespraeche mit Fremden. Der Satertag ran nur so dahin. Letztlich sogar noch eyn bekanntes Gesicht, welches ich extra wegen uns auf den Weg gemacht hatte. Unsere Edith gab sich die Ehre. Hatten wir uns doch erst wenige Wochen zuvor in Ascabah kennengelernt.

Historie hin, Historie her. In diesem Anno hatte die Obrigkeyt des Festes es gestattet, dass ab der 9. Stund im Meridianus in den Lagern und an verschiedenen Stellen in der Stadt flache Kisten aufgestellt wurden, auf welchen wie durch Zauberhand Bildleyn sich magisch bewegten. Was fuer Teufelszeug!
Es wurde in bunten Bildern gezeygt, wie 22 hehre Recken in unterschiedlich farbigen Gewandungen in Bruchen (!) hinter eyner Kugel herrannten. Ziel dieses Wettrennens schien es zu seyn, die Kugel in eynem benetzten Kasten unterzubringen. Jeweyls eyn Recke auf jeder Seyte hatte wohl die Aufgabe dies zu verhindern. Was fuer eyne seltsame Belustigung.

Nun uns kratzte dies nicht, wir genossen im groszen Bauernlager die angenehmen Abendtemperaturen, verkosteten eyne Spezilitaet die sich „Bauerntraum“ nannte, plauderten mit Edith und taten unserer Seele nur Gutes.

Kurz vor der Geysterstunde begaben wir uns wieder zum Halt des eysernen Rosses und fuhren zurueck in unsere Heymstaette.

Der Balder begann bereyts sonnig. Und nachdem wir unser Fruehstueck eyngenommen, unsere Habe eyngepackt und unsere Gewandungen angelegt hatten, reysten wir an diesem Tage mit unserer stinkenden Kutsche nach Villa Breteheym. Wir fanden auch nahe dem Zentrum eynen kostenfreyen Abstellplatz. Wir erkundeten an diesem Tage alle Ecken, die wir am Satertage nicht geschafft hatten.
Und schon wieder bekannte Gesichter. Bekannte aus Ehingen und Burkheym wurden gesichtet. Eyn herzliches Hallo war die Folge.

Im Zentrum gelang es uns letztlich wunderbare Sitzplaetze zu ergattern, von wo aus wir den großen Festumzug bestaunen konnten. Guenstig war dabey die Lage dieser Sitzplaetze – gleych neben einer Taverne! Und so ward auch fuer unser leybliches Wohl gesorgt.

Noch vor dem Festzug hatte unser Primus die Ehre von eynem Seelenfaenger, der beweglich Bilder bannt, angesprochen und befragt zu werden. Und so kam auch unser Primus ins „Fannseh“ ;-)

Zur 2. und eyner halben Stund im Meridianus wurden drey Kanonen abgefeurt. Der Festzug begann!!

44 Umzugsgruppen eyngeteylt in 7 Sparten:
-Die Wahrzeichen von Villa Breteheym
-Villa Bretehym um 1504
-Markt- und Kaufleute
-Staedtisches Handwerk
-Villa Breteheym im Kurpfaelzisch-Bayerischen Erbfolgekrieg
-Villa Breteheym huldigt Kurprinz Ludwig
-Buergerwehren marschieren auf

Eyn knapp zwey Stunden andauernder hochinteressanter Festzug der keyne Wuensche offen liesz. Hinterher war die Stadt voll mit Besuchern. Waehrend am Satertage noch die Gewandeten die Stadt dominierten, waren es nach dem Festzug die ungewandeten Tagesgaeste.  Es herrschte eyn dichtes Gedraenge. Aber dennoch hatte das Fest nichts an Reyz verloren.

Aber da? Was war das? Was hoerten wir? Geeeeeeeeeeeeeeeeeebranntes!! Dieser Lockruf stammt nur von eyner Person. Der SCHNAPSDROSSEL! Man sah sie zwar noch nicht, aber man hoerte sie.

Noch eynmal gelauscht und sie war geortet. Natuerlich kamen wir um eynen kurzen Trunk nicht umhin. Eyn kurzes aber herzliuches Gespraech, dann waren ihre Dienste wieder gefragt.

Tja und dann hiesz es auch schon wieder Abschied nehmen. Nach eynem koestlichen Abendessen begaben wir uns letztlich auf die Heymreyse.

Die Zeyt in Villa Breteheym war viel zu kurz und so ward der Entschluss gefasst, dieses Fest innerhalb des Mittelalterstammtisch Hochrhein im kommenden Anno noch eynmal anzubieten. Und wir werden bestimmt noch eynmal die Athmosphaere auf diesem Fest genieszen.